Montag, Oktober 12
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Nachfolge entscheidet in Familienunternehmen über Fortbestand oder Abstieg. Wie ein Generationenwechsel gelingt, ohne dass eine Marke ihren Kern verliert, lässt sich am BO Hotel Palazzo im kroatischen Poreč studieren. Hier führt heute die zweite Generation ein Haus weiter, dessen Wert gerade in seiner Beständigkeit liegt.

Die im italienischen Renaissance-Stil gehaltene Fassade des BO Hotel Palazzo in der Abenddämmerung.
Die im italienischen Renaissance-Stil gehaltene Fassade des BO Hotel Palazzo in der Abenddämmerung.

Führung mit Blick über die Generation hinaus

Das älteste Hotel der Stadt öffnete 1910 als «Hotel Riviera in Parenzo» und wurde von der 1907 gegründeten Österreichischen Riviera-Aktiengesellschaft errichtet, die den Fremdenverkehr an dieser Küste erst in Gang brachte. Durch alle politischen Umbrüche hindurch – Österreich-Ungarn, Italien, Jugoslawien, Kroatien – bewahrte das Gebäude seinen architektonischen Charakter. Für eine Führungsspitze ist das die eigentliche Lektion: Wer langfristig denkt, überdauert jeden Wechsel der Rahmenbedingungen.

Die heutigen Eigentümer übernahmen das Haus 2002 und sanierten es grundlegend. Statt es dem Zeitgeist anzupassen, entschieden sie sich für eine Linie, die Herkunft und Gegenwart gleichermassen ernst nimmt – geleitet vom Grundsatz «et nova et vetera», dem Neuen und dem Alten zugleich. Für eine Führungsmannschaft ist das ein Bekenntnis zu Strategie statt zu Taktik: Nicht jede Mode wird mitgemacht, aber jede technische Notwendigkeit umgesetzt. Genau diese Disziplin trennt langlebige Marken von jenen, die mit jedem Trend ihr Profil verlieren.

Restaurierte Innenräume: Wiener Handwerkskunst trifft auf zeitgenössisches Design.

Markenführung statt kurzlebiger Moden

Zwei zusätzliche Gebäude kamen hinzu: eines mit Spa und weiteren Zimmern in erster Meerblick-Linie, das andere mit Konferenzräumen und gastronomischen Flächen. Diese Erweiterung folgte keiner Modeerscheinung, sondern einer strategischen Idee von kontinuierlichem Wachstum. Heute zählt das Haus als Teil der BO-Hotelgruppe 83 Zimmer und Suiten bis hin zur 70 Quadratmeter grossen Presidential Suite – eine Grösse, die bewusst, nicht überhastet erreicht wurde.

Zimmer und Suiten mit historischem Charakter und Blick auf die Adria.

Wir haben das Palazzo nicht einfach übernommen – wir haben Verantwortung für seine Geschichte übernommen. Jedes Jahr, in dem wir es öffnen, schreiben wir sie ein Stück weiter.

Allegra Osmani, Inhaberin

Was Nachfolger vom Palazzo lernen können

Die Haltung von Inhaberin Allegra Osmani verdeutlicht, was gute Unternehmensnachfolge ausmacht: Die Nachfolgerin versteht sich nicht als blosse Verwalterin eines Erbes, sondern als Treuhänderin einer fortlaufenden Geschichte. Die historischen Aufnahmen des Originalhotels, die im Haus und in den Zimmern hängen, sind dafür mehr als Nostalgie – sie machen die Identität der Marke für jeden Gast erfahrbar.

Sonnenterrasse direkt am Wasser im historischen Stadtkern von Poreč.

Ganzjährig geöffnet, mit Spa, Pool und eigener Kulinarik, bietet das Palazzo an klaren Tagen Ausblicke bis nach Venedig oder zu den Alpen. Dass das Haus durch alle Umbrüche hinweg seinen Charakter bewahrt hat, obwohl sich die politische Landkarte mehrfach verschob, ist dabei die überzeugendste Referenz für jede Übergabe an die nächste Generation. Für Führungskräfte, die über ihre eigene Amtszeit hinausdenken, ist das Haus ein Lehrstück: Markenführung gelingt, wenn jede Generation den Wert bewahrt und zugleich verantwortungsvoll fortschreibt.

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